Aras

Willkommen im Araparadies. Hier findest du fundiertes Wissen rund um Haltung, Arten, Ernährung und Tierschutz – ideal für angehende Ara‑Halter:innen.

Anschaffung – gut überlegt starten

Die Wahl des richtigen Vogels

Die Familie der Aras ist vielfältig – von 30 cm kleinen Zwergaras bis hin zum imposanten Hyazinthara mit bis zu 100 cm Länge. Besonders sensible Arten wie der Hellrote Ara sind für Anfänger:innen weniger geeignet, da sie bei Geschlechtsreife aggressiv werden oder zum Rupfen neigen.

Nachzucht statt Wildfang

Kaufen Sie ausschließlich Nachzuchten! Wildfänge bedeuten Leid, hohe Sterblichkeit und fördern den illegalen Handel. Nur durch Nachzucht kann der Schwarzmarkt langfristig gestoppt werden. Zudem sind Nachzuchten meist zahmer und besser in der Haltung.

Einzeltier oder Paar?

Aras sind hochsoziale Wesen. Einzeln gehaltene Tiere verkümmern emotional und entwickeln häufig auffälliges Verhalten. Auch gleichgeschlechtliche Paare sind möglich, wenn keine Zuchtabsicht besteht.

Langfristige Verantwortung

Mit einem Ara holen Sie sich ein Familienmitglied für Jahrzehnte ins Haus. Diese Entscheidung sollte wohlüberlegt sein – auch was Urlaubsvertretung, Pflege im Krankheitsfall oder ein möglicher Wohnortwechsel betrifft.

Lärm – nicht zu unterschätzen

Aras sind laut. Ihr durchdringender Ruf kann – gerade in Mietwohnungen oder dicht bebauten Gebieten – zum Problem mit Nachbarn führen. Stimmen Sie sich im Vorfeld ab und überlegen Sie genau, ob die Umgebung geeignet ist.

Wissen schützt Vögel

Informieren Sie sich vor dem Kauf umfassend:

  • Fachbücher und seriöse Quellen zur Haltung, Ernährung und Verhalten
  • Austausch mit erfahrenen Halter:innen und Züchter:innen
  • Tierärztliche Beratung vor der Anschaffung

Platzbedarf & Voliere

Für die Haltung benötigen Sie in der Schweiz eine Bewilligung. Vorgeschrieben ist eine Innenvoliere von mindestens 30 m². Optimal ist eine Kombination mit einer Außenvoliere – Aras lieben Wind, Regen und frische Luft.

Tierärztliche Versorgung

Suchen Sie vorab nach einem vogelkundigen Tierarzt. Auch wenn dieser 100 km entfernt liegt, sollte er im Notfall erreichbar sein.

Beschäftigung & Bewegung

Aras haben einen kräftigen Schnabel und ein ausgeprägtes Spielbedürfnis:

  • Spielzeuge wie Seile, Schaukeln, Holzäste – regelmäßig erneuern
  • Intelligenzspielzeuge oder Futterverstecke zur geistigen Förderung
  • Tägliche Interaktion mit der Bezugsperson ist unerlässlich

Fazit

Wer einem Ara ein artgerechtes Zuhause bieten kann, wird mit einer tiefen, faszinierenden Beziehung belohnt. Doch die Entscheidung sollte nie spontan getroffen werden. Nur wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, kann dazu beitragen, dass Aras auch in Zukunft geschützt leben können – ob in Menschenobhut oder in freier Wildbahn.

Einzel- vs. Paarhaltung – emotional gesund leben

Warum Einzelhaltung problematisch ist

  • Aras leben in der Natur in festen Paaren oder Schwärmen.
  • Einzeln gehaltene Tiere vereinsamen schnell und entwickeln Verhaltensstörungen wie Schreien, Federbeißen oder Apathie.
  • Der Mensch kann niemals den sozialen Partner ersetzen – weder in Zeit noch in Art der Interaktion.

Stellen Sie sich vor, ein Leben lang allein zu sein – ohne Gesprächspartner, Nähe oder Verständnis. Für einen hochintelligenten Papagei ist das ein unvorstellbares Schicksal.

Paarhaltung – ideal für Aras

  • Soziale Interaktion: gemeinsames Spielen, Füttern und Gefiederpflege
  • Emotionale Ausgeglichenheit: weniger Stress, ausgeglicheneres Verhalten
  • Mehr Entlastung für den Menschen – kein schlechtes Gewissen bei Abwesenheit

Ein harmonisches Paar zu beobachten, wie es sich liebevoll umsorgt, ist für viele Halter:innen ein tief bewegendes Erlebnis.

Neue Partnerschaften gestalten

  • Auch langjährig einzeln gehaltene Aras können verpaart werden.
  • Erstkontakt mit Sichtkontakt und Abstand: z. B. durch eine Gitterabtrennung oder angrenzenden Käfig
  • Geduld ist entscheidend – kleinere Auseinandersetzungen sind normal zur Klärung der Rangordnung
  • Nicht sofort eingreifen, solange keine ernsten Verletzungen drohen

Mit Ruhe und Einfühlungsvermögen gelingen die meisten Verpaarungen – auch aus langjähriger Erfahrung vieler Halter:innen.

Haltung & Pflege – optimal versorgt

Volieren-Gestaltung

Aras brauchen viel Platz, Bewegung und Abwechslung. Die Haltung muss nicht nur den gesetzlichen Mindestmaßen entsprechen, sondern sollte artgerechte Ansprüche erfüllen:

  • Innenvoliere: Mindestens 30 m² Fläche, 2,5 m Höhe und mit Flugstrecke von mindestens 5 m – ausbruchsicher und gut belüftet
  • Außenvoliere: Wettergeschützt, mit natürlichen Elementen wie Ästen, Palmenstämmen, Sand- oder Rindenboden
  • Schleusen- oder Doppeltürsysteme zur Fluchtsicherung
  • Rückzugsorte wie Schlafhöhlen oder Sichtschutzbereiche

Spiel & Beschäftigung

Aras sind sehr intelligent und brauchen ständig neue Reize. Ohne Beschäftigung drohen psychische Schäden:

  • Robuste Spielzeuge: aus Holz, Kokos, Leder, Sisal oder Acryl
  • Schaukeln, Kletterseile, Hängematten zur Bewegung
  • Täglicher Wechsel oder Rotation des Spielmaterials
  • Intelligenzspiele, Futterverstecke, Target-Training

Betreuung & Bindung

Aras brauchen täglich intensive Zuwendung – auch bei Paarhaltung:

  • Täglicher Kontakt zur Bezugsperson zur Festigung der Bindung
  • Rituale: Begrüßung, gemeinsames Spiel, Sprachtraining
  • Vermeidung von Isolation bei längerer Abwesenheit (z. B. Ferienvertretung)

Gesundheit & Hygiene

Eine regelmäßige Gesundheitskontrolle ist Pflicht, denn Papageien verbergen Krankheiten oft lange:

  • Jährlicher Check durch vogelkundigen Tierarzt
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle
  • Beobachtung von Kot, Schnabel, Krallen, Augen & Gefieder
  • Tägliche Reinigung von Futterplätzen und Tränken
  • Wöchentliche Reinigung der Voliere mit ungiftigen Mitteln

Ernährung & Buchempfehlungen

Artgerechte Ernährung für Aras

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle für Gesundheit, Gefiederqualität und Lebenserwartung von Aras. In ihrer natürlichen Umgebung ernähren sie sich vielseitig – diese Vielfalt sollte auch in der Haltung gewährleistet sein:

  • Palmfrüchte: z. B. Acrocomia, Attalea – enthalten wichtige Fette
  • Nüsse: Walnüsse, Paranüsse, Macadamia (in Maßen, frisch & ungesalzen)
  • Früchte: Feigen, Beeren, Papaya – reif, ungeschwefelt
  • Gemüseartige Pflanzenteile: Mangold, Karotten, Maiskolben, Kürbis
  • Blüten & Knospen: Hibiskus, Löwenzahn, Kamille (ungespritzt)
  • Eiweißquellen: gelegentlich gekochtes Ei, Keimlinge, Hülsenfrüchte

Kalzium & Mineralien

  • Sepiaschale, Gritstein oder spezieller Kalkstein für Vögel
  • Abwechslungsreiche Frischkost zur Vermeidung von Mangelerscheinungen

Wasser & Hygiene

  • Täglich frisches, zimmerwarmes Wasser anbieten
  • Trinkgefäße täglich reinigen, Keimbildung vermeiden

Buchempfehlungen

Werner Lantermann:

Aras. Enzyklopädie der Papageien und Sittiche, Band 10, 1984, Horst Müller Verlag. ISBN 3-923269-11-0

Matthias Reinschmidt:

Kunstbrut und Handaufzucht von Papageien und Sittichen, 2000, Arndt-Verlag. ISBN 3-9805291-6-9

Lars Lepperhoff:

Aras. Freileben, Verhalten, Pflege, Arten, 2004, Verlag Eugen Ulmer. ISBN 3-8001-3821-2

Rudolf K. Wagner:

Handaufzucht von Papageien, 1999, Verlag Michael Biedenbänder. ISBN 3-9806114-3-4

Rosemary Low:

Papageien-Zucht, 1998, Verlag Michael Biedenbänder. ISBN 3-9806114-4-2

Hans-Jürgen Künne:

Die Ernährung der Papageien und Sittiche, 2000, Arndt-Verlag. ISBN 3-9805291-5-0

Volker Würth:

Obst, Gemüse und exotische Früchte für Papageien und Sittiche, 2001, Arndt Verlag. ISBN 3-9805291-9-3

Hermann Schnabl:

Vogelfutterpflanzen, 1998, Arndt Verlag. ISBN 3-9805291-3-4

Tierschutz & Verantwortung übernehmen

Kein Wildfang – für das Wohl der Tiere

Der Fang von Aras aus freier Wildbahn ist grausam, führt zu enormem Stress, Verletzungen und hoher Sterblichkeit. Jeder Kauf eines Wildfangs befeuert illegalen Handel und bedroht Wildbestände direkt. Nur Nachzuchten aus seriöser Haltung garantieren tierschutzkonforme Bedingungen und bessere soziale Integration.

Schutzprojekte unterstützen

Durch gezielte Spenden oder Patenschaften kannst du einen wertvollen Beitrag leisten:

  • BioBrasil: Schutz und Wiederansiedlung von Aras im natürlichen Lebensraum
  • World Parrot Trust: Internationales Engagement gegen illegalen Handel und für nachhaltige Arterhaltung

Wissen weitergeben – Aufklärung wirkt

Viele Menschen kaufen Papageien aus Unwissen. Deine Erfahrung und dein Wissen können dazu beitragen, dass Aras künftig besser gehalten werden. Berichte über artgerechte Haltung, Tierschutzprobleme und sinnvolle Alternativen zum Spontankauf.

Verantwortung übernehmen – ein Leben lang

Ein Ara ist kein Accessoire oder Unterhalter. Wer sich für diese Tiere entscheidet, übernimmt Verantwortung für ein komplexes, soziales und langlebiges Wesen. Diese Verantwortung endet nicht bei der Anschaffung, sondern begleitet den Halter über Jahrzehnte – mit Fürsorge, Respekt und täglicher Zuwendung.

Arten & Porträts